Eva Sirch

Snooker WM 1997: Ken Doherty besiegt Stephen Hendry

· Eva Sirch

Es gibt Momente im Sport, die man einfach nie vergisst. Für Snooker-Fans war der 5. Mai 1997 so ein Moment. Im Crucible Theatre in Sheffield stand ein 21-jähriger Ire aus Dublin dem siebenmaligen Weltmeister Stephen Hendry gegenüber – und der Rest ist Geschichte.

David gegen Goliath am Crucible

Wer die Snooker WM 1997 verfolgte, wusste: Stephen Hendry war das Maß aller Dinge. Der Schotte hatte das Turnier sechs Mal gewonnen, darunter fünfmal in Folge zwischen 1992 und 1996. Er war kälter, erfahrener, technisch nahezu unfehlbar. Ken Doherty hingegen galt als Außenseiter – ein aufstrebender Talent aus Ranelagh, Dublin, der zwar auf der Tour bereits Achtungserfolge erzielt hatte, aber auf der ganz großen Bühne noch ungeschrieben war.

Dass Doherty überhaupt ins Finale gekommen war, hatte für Aufsehen gesorgt. Auf dem Weg dorthin hatte er unter anderem Ronnie O'Sullivan besiegt – eine Leistung, die die Snooker-Welt aufhorchen ließ. Doch Hendry zu schlagen? Das schien dann doch eine andere Dimension zu sein.

Ein Finale für die Geschichtsbücher

Das Endspiel entwickelte sich zu einem der dramatischsten Matches, das das Crucible je gesehen hatte. Doherty spielte von Beginn an befreit auf – keine Anzeichen von Nervosität, keine ehrerbietige Zurückhaltung. Er griff an, spielte offensiv, ließ Hendry kaum zur Entfaltung kommen.

Was Doherty in diesem Finale auszeichnete, war nicht spektakulärer Snooker im klassischen Sinne. Es war taktische Klugheit, mentale Stärke und eine Entschlossenheit, die einem das Herz aufgehen ließ. Er kämpfte um jeden Frame, nutzte Hendrys seltene Fehler konsequent aus und baute einen Vorsprung auf, den er nicht mehr hergeben sollte.

Das Endergebnis: 18:12 für Ken Doherty. Ein überzeugender Sieg, der in seiner Deutlichkeit niemanden mehr erwartet hatte.

Die Reaktion im Crucible

Als der entscheidende Ball fiel, explodierte die Atmosphäre im Crucible. Das Publikum – traditionell fair, aber in diesem Finale spürbar auf Seiten des Außenseiters – feierte einen neuen Weltmeister. Ken Doherty, sichtlich überwältigt, stand da als erster irischer Snooker-Weltmeister überhaupt.

Sein Strahlen in jenem Moment, seine Geste in Richtung der Tribünen, das Unglaube und Freude zugleich zeigte – wer das gesehen hat, vergisst es nicht. Snooker-Weltmeister zu werden ist der Traum eines jeden Spielers. Ken Doherty hatte ihn sich erfüllt.

Was dieser Sieg bedeutete

Ken Doherty Weltmeister – das war mehr als ein Turnierergebnis. Es war ein Signal an die gesamte Snooker-Welt: Die Ära der absoluten Hendry-Dominanz konnte gebrochen werden. Und es war eine Inspiration für eine ganze Generation junger Spieler aus Irland und darüber hinaus.

In Irland selbst löste der Triumph einen kleinen Snooker-Boom aus. Doherty wurde zur nationalen Berühmtheit, empfangen wie ein Held. In Deutschland, wo Snooker zu dieser Zeit durch Eurosport langsam ein breiteres Publikum fand, war die WM 1997 ebenfalls ein Gesprächsthema – auch wenn Ken Doherty hierzulande erst später die Fangemeinde bekam, die er verdiente.

Hendrys Reaktion

Auch Stephen Hendry zollte seinem Bezwinger Respekt. Der Schotte war bekannt dafür, Niederlagen nicht als Ausrede zu suchen. Er erkannte an, dass Doherty an jenem Tag der bessere Spieler war. Diese Sportlichkeit machte die Niederlage für Hendry-Fans erträglicher – und wertete Dohertys Triumph zusätzlich auf.

Ein Blick zurück mit Bewunderung

Fast drei Jahrzehnte später ist die Snooker WM 1997 längst Teil der Turnierlegende. Wer sich die Archivaufnahmen anschaut, erlebt einen Ken Doherty in Höchstform – fokussiert, lächelnd, unbeeindruckt von der schwersten Aufgabe, die der Snooker-Sport bieten kann.

Für alle, die damals dabei waren – ob am Fernseher in Deutschland, in einer Kneipe in Dublin oder live im Crucible – ist dieses Finale eine unvergessliche Erinnerung. Und für all jene, die Doherty als Spieler schätzen: Es war sein größter Moment, sein schönster Triumph.

Wer mehr über Ken Dohertys gesamte Karriere und die Geschichte der Snooker-Weltmeisterschaft erfahren möchte, findet auf der Wikipedia-Seite zur Snooker-Weltmeisterschaft 1997 einen guten Ausgangspunkt.

Das Crucible hat viele große Finals gesehen. Dieses hier gehört zu den ganz besonderen – und Ken Doherty für immer in die Riege der Weltmeister.